Der Adventskranzerfinder: Johann Hinrich Wichern

Johann Hinrich Wichern (1808-1881) gilt als Erfinder des Adventskranzes und ist Gründer des Rauhen Hauses, eine Stiftung der Diakonie in Hamburg. Im Dezember 1839 stellte der junge Theologe im damaligen Betsaal auf dem Stiftungsgelände in Hamburg-Horn ein Holzrad mit jeweils vier weißen Kerzen für die Adventssonntage und je einer roten Kerze für die Werktage auf. So unterschied sich dieser erste Adventskranz durch die Anzahl an Kerzen auch in der Größe deutlich von den Adventskränzen, die wir heute kennen. Außerdem war der Kranz noch nicht mit Tannengrün geschmückt, diese Tradition entstand um 1860.

Mit dem ersten Adventskranz wollte Wichern den Kindern, die er im Rauhen Haus aufgenommen hatte, die Vorbereitungszeit bis zum Heiligabend veranschaulichen. Außerdem konnten die Kinder so die Tage bis nach Weihnachten abzählen.

Der Siegeszug des Adventskranzes

In evangelischen Kirchen und Privathaushalten setzte sich der Adventskranz bis Anfang des 20. Jahrhunderts durch. 1925 hing erstmals ein Kranz in einer katholischen Kirche in Köln. Spätestens seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges gehört der Adventskranz in vielen Ländern zur Vorweihnachtszeit wie der Weihnachtsbaum, der Weihnachtsmann oder ein Kirchenbesuch.

Noch heute pflegen die Einrichtungen des Rauhen Hauses den Brauch mit dem originalen Adventskranz. Außerdem können Sie den originalgetreuen Adventskranz mit 22 bis maximal 28 Kerzen im Kirchenraum der Sankt-Michaelis-Kirche in Hamburg und im Hamburger Rathaus bewundern. Karten mit dem Adventskranz sowie ein Büchlein, das die Geschichte des Wichernscher Adventskranz erzählt, erhalten Sie beispielsweise in unserem christlichen Online-Shop.

Die Geschichte des Adventskranzes, für Kinder erzählt, finden Sie beispielsweise im Buch „Wir feiern Advent. Spannendes für die schönste Zeit“ von der Agentur des Rauhen Hauses.

Einige Stationen im Leben des Adventskranzerfinders

21. April 1808 – Johann Hinrich Wichern wird als erstes von sieben Kindern geboren. Er wird von seinem Vater im Lesen unterrichtet, besucht später eine Privatschule und das Johanneum in Hamburg.

1823 – Nach dem Tod des Vaters erteilt Wichern Privatstunden in Bürgerhäusern, um zum Lebensunterhalt der Familie beizutragen.

1826-1828 – Er arbeitet als Erziehungsgehilfe in einer privaten Hamburger Internatsschule.

1828-1831 – Wichern studiert mit Hilfe von Stipendien in Göttingen und Berlin Theologie.

1832 – An der Sonntagsschule des engagierten Pastors Johann Wilhelm Rautenberg in St. Georg wird Wichern sowohl Oberlehrer als auch Mitglied des „Besuchsvereins“, der die Familien der Schüler zu Hause aufsucht. Dabei lernt er die Not in den Armenvierteln Hamburgs kennen.

12.09.1833 – In der Hamburger Börsenhalle findet die Gründungsveranstaltung des Rauhen Hauses statt.

31.10.1833 – Wichern, seine Mutter und seine Schwestern ziehen in das Rauhe Haus ein, wenige Tage später kommen die ersten drei Jungen hinzu, bis Jahresende sind es bereits zwölf. In den folgenden Jahrzehnten wird das Rauhe Haus umfänglich erweitert.

1835 – Johann Hinrich Wichern und Amanda, geb. Böhme, heiraten im Rauhen Haus. Das Ehepaar wird neun eigene Kinder haben.

22.09.1848 – In seiner Rede zum ersten Kirchentag in der Schlosskirche zu Wittenberg ermahnt Wichern die evangelische Kirche zur tätigen Nächstenliebe. Seine „Stegreifrede“ ist der Anstoß für die Gründung des Centralausschusses für die Innere Mission, aus dem später das Diakonische Werk hervorgehen wird.

Januar 1857 – Wichern übernimmt das Amt eines „vortragenden Rates für die Strafanstalten und das Armenwesen“ im preußischen Ministerium für des Inneren und widmet sich der Reform des Strafvollzugs.

25.04.1858 – In Berlin gründet er das Evangelische Johannisstift.

Mai 1872 – Wichern kehrt nach mehreren Schlaganfällen endgültig nach Hamburg zurück.

Ende 1873 – Nach einem weiteren schweren Schlaganfall überträgt er das Amt des Vorstehers seinem Sohn Johannes.

07.04.1881 – Wichern stirbt nach Jahren schwerer Krankheit. Er wird auf dem Friedhof der Dreifaltigkeitskirche in Hamm beigesetzt.

Aus: Mit Wort und Tat – Agentur des Rauhen Hauses Hamburg, 2011, S. 19.
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